Emil Karl Wilhelm Knodt wurde geboren am 23. Juli 1852 in Eppelsheim in Rheinhessen. Er ist der zweite von insgesamt fünf Söhnen des Pfarrers Johann Adam Knodt und seiner Frau Elise, geb. Schmidt.
Das Elternhaus, in dem er heranwachsen wird, ist spannend.
Der Vater ist Theologe. Als solcher ist durchaus mit Fragen beschäftigt, die menschliches Verstehen und Begreifen übersteigen. aber seinem Wesen und seinem Arbeiten entspringen eher exaktes wissenschaftliches Denken und akribisch genaue Formulierungen.
Die Mutter ist da ganz anders. Sie sieht hinter die Dinge und begegnet dem Verborgenen mit Wertschätzung und Achtung. Man sagt ihr die Gabe hellseherischen Fühlens und Schauens nach.
So unterschiedlich die Eltern in ihrem Wesen sein mögen, es muss wohl auch so gewesen sein, dass sie ihre Unterschiedlichkeit als Ergänzung leben - nicht im Wettstreit miteinander. So wird der heranwachsende Emil geprägt von liebevoller Ausgeglichenheit von Glauben und Wissen.
Emil war wohl ein aufgewecktes Kind und ein strebsamer aufmerksamer Jugendlicher, der voller Neugier alles in sich aufnahm, was er an Wissen erfahren konnte. Er ist noch keine 17 Jahre alt, als er auf der Landsuniversität Gießen sein Theologiestudium beginnt.
1874 schließt er mit 22 Jahren am Predigerseminar in Friedberg seine Ausbildung ab.
Fast zwei Jahre arbeitet er als Oberhelfer bei Wichern im "Rauhen Haus" in Hamburg. Schon hier wird neben seinem Talent in wissenschaftlicher Arbeit sein großes soziales Engagement deutlich. 1875 macht er das zweite theologische Examen. Allerdings folgen vor seinem ersten Gemeindeeinsatz noch einmal zwei Studienjahre. Dann aber verlässt er die akademische Laufbahn und nach seinem Vikariat in Pfungstadt übernimmt er 1878 in Rothenberg in einer - wie sein Chronist beschreibt - hochgelegenen armen Landgemeinde sein erstes Pfarramt.