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Gemeindeabend
20.11.2008
19:30 Uhr;
Evangelisches Gemeindehaus

Maurice Younan, christlicher Palästinenser aus Jerusalem, Verwaltungsleiter und Mitglied der Schulleitung von „Talitha Kumi“, der  arabisch-christlichen Schule in Beit Jala bei Bethlehem (Israel/Palästina).

„Talitha Kumi“ ist ein arabisch-lutherisches Schulzentrums mit heute ca. 800 Schülern in Kindergarten, Internat, Grundschule und Gymnasium. Schulträger ist das Berliner Missionswerk, der Schulleiter wird von Deutschland ausgesandt und von der Bundesregierung bezahlt, der Lehrkörper besteht in der Regel aus einheimischen Lehrern. Die Schüler kommen aus den verschiedensten christlichen Kirchen (orthodox, griech.-katholisch, röm.-katholisch, lutherisch), ein großer Prozentsatz sind Muslime. Gegründet wurde diese Schule vor über 150 Jahren von Kaiserswerther Diakonissen.  

Heute liegt „Talitha Kumi“ genau auf der Grenze zwischen autonomen palästinensischem Gebiet und israelisch besetztem Land. Dadurch wird der Schulbetrieb immer wieder heftig beeinflusst durch den heißen Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Straßensperren, Soldaten, Schießereien, Kontrollposten und Ausgangssperren gehören zu den täglichen Erfahrungen der Schüler.  

Maurice Younan wird aktuell davon berichten, in Wort und Bild, wie in einer solch schwierigen Situation überhaupt Unterricht möglich und ob unter solchen Bedingungen eine Friedenspädagogik realistisch ist.

 

Was bedeutet der Name „Talitha Kumi“ ?

In der Erzählung von der Auferweckung der Tochter des Jairus heißt es beim Evangelisten Markus: „Und Jesus er­griff das Kind bei der Hand und sprach: Talitha Kumi! - das heißt: Mädchen, ich sage dir, steh auf!" (Mk. 5,41).

Zur Website von Talitha Kumi...

Talitha Kumi - auf einen Blick 

1851 - Theodor Fliedner, Gründer des Diakoniewerks in Kaiserswerth, errichtet mit Unterstützung von vier Dia­konissen in Jerusalem ein Kinderheim für arabische Mäd­chen. Die Erziehungsarbeit an der weiblichen Jugend Pa­lästinas, um die sich bisher niemand kümmerte, beginnt.

1858 - Bereits 32 arabische, jüdische und armenische Kinder werden in Fliedners evangelischer Schule un­terrichtet. Sie leben in einem Kinderheim.

1868 - Einweihung eines neuen Hauses. Es trägt jetzt offiziell den Namen „Talitha Kumi". Die Zahl der Kin­der ist auf 89 angewachsen.

1905 - Errichtung eines kleinen Lehrerinnenseminars für arabische Mädchen und einer Diakonissenschule für Probeschwestern orientalischer Herkunft.

1914 - Elf Diakonissen betreuen 140 Kinder.

1914/18 - Durch den Ersten Weltkrieg kommt die Ar­beit zum Erliegen. Die Schwestern werden von den Engländern in Ägypten interniert.

1925 - Rückgabe Talitha Kumis.

1926 - Neue Eröffnung der Schule. Sie bietet zunächst Platz für 35 Internatsschülerinnen.

1939 - Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bringt die Arbeit in Talitha Kumi zum Erliegen. Die Diakonis­sen werden von den Engländern erneut interniert.

1949 - Nach dem Waffenstillstandsabkommen im jü­disch-arabischen Krieg liegt Talitha Kumi nun in Isra­el. Grundstück und Gebäude in Jerusalem werden von den Israelis übernommen.

1950 - Fortsetzung der Arbeit im jordanischen Teil Pa­lästinas. Der Jerusalemsverein überlässt dem Diakonie­werk Kaiserswerth zum Neubeginn von Talitha Kumi sein Gemeindezentrum in Beit Jala. Arabische Flücht­lingskinder werden aufgenommen; ihr Elend ist groß. Gleichzeitig erfolgt der Aufbau der Elementar- und Sekundarschule sowie des Wirtschaftszweiges.  

1959 - Zwei Kilometer von Beit Jala entfernt soll ein neu­es Talitha Kumi entstehen. Am 18. März wird der Grund­stein gelegt.

1961 - Am 16. April findet die feierliche Einweihung des neuen Talitha Kumi statt.

1967 - Im Sechs-Tage-Krieg wird das Westjordanland von den Israelis erobert und bleibt fortan unter israe­lischer Besatzung.

1975 - Am 1. Januar Übernahme der Schule durch das Berliner Missionswerk.

1980 - Aufnahme von Jungen in die Oberschule und in die erste Klasse und damit Beginn einer koedu­kativen Schularbeit.

1994 - übernehmen die palästinensischen Autonomie­behörden die Verantwortung für das Erziehungswesen.

1995 - Eröffnung eines be­rufsbildenden Zweiges („Hotelfachschule"), Grün­dung eines Vereins der Freunde von Talitha Kurni.

1997 - Talitha Kumi wird in den Verband der UNESCO­Schulen aufgenommen und repräsentiert sich auf vielen internationalen lugend­treffen und auch bei der EXPO 2000 in Hannover. Eröffnung des ersten pa­lästinensischen Umwelt­zentrums und einer Vogelflugbeobachtungsstation auf dem Gelände von Talitha Kumi.

2000 - Das Talitha Kumi Community College wird mit staatlicher Lizenz eröffnet und bietet für 20 Studen­ten eine Ausbildung in Hotelmanagement und Verwal­tung an.

2004 - Am 14.5. wird der neue Kindergarten einge­weiht, der Platz für 120 Kinder bietet.

TALITHA KUMI im Schuljahr 2006/2007
797 Schülerinnen und Schüler in der Tagesschule
50 Lehrer und Lehrerinnen
110 Plätze im Kindergarten
40 Plätze im Mädchen-Internat

Konfessionelle Zusammensetzung
49 % Griechisch-orthodox
6 % Evangelisch-lutherisch
9 % andere christliche Kirchen
36 % Muslimisch



Evangelisches Pfarramt Rothenberg  |  kgm@rothenberg-evangelisch.de